Von Wohnzimmerspinnereien bis auf Ihre Hochzeit – meine Geschichte
Bekannterweise werden die besten Ideen in der Garage entwickelt, in meinem Fall war es das Wohnzimmer.
Alles fing ganz harmlos an: Mutter und Tochter schauen Hochzeitssendungen. Wie schon so oft. Dass eines Tages dabei einmal eine vermarktbare Idee entstehen würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt wirklich niemand.
Aber es war immer dasselbe: der Kampf beim Anschneiden der Torte, wer die Hand oben hat. Ich versuchte mir diese Situation einmal an meiner eigenen Hochzeit in der Zukunft vorzustellen. Diese Vorstellung, an dem Tag, an dem man zu einer Einheit werden sollte, mit einem Kampf zu starten, war für mich grauenhaft. So wollte ich meinen Hochzeitstag nicht erleben. Ich dachte mir nur: Es muss doch irgendetwas geben, was dieses Problem löst. Kaum gedacht, hatte ich es schon laut ausgesprochen. Im Zeitalter des Internets hat Mama natürlich sofort gegoogelt. Doch selbst Google hatte dieses Mal keine Lösung. Damit war ich nicht zufrieden. Also sagte ich zu meiner Mutter: „Ich brauche an meiner Hochzeit ein Messer mit zwei Griffen!“ Das Gesicht meiner Mutter war unbezahlbar.
Ein Messer mit zwei Griffen?!? Wie soll das denn aussehen und wo soll es sowas geben?! Jetzt spinnt sie wohl komplett – das muss wohl jeder gedacht haben.
Da es so etwas in keiner Form zu finden gab, war die einzige Möglichkeit: Opa. Opa muss so etwas für mich bauen. Die Idee hatte sich so festgebissen, dass die ganze Familie bei der Entwicklung und Umsetzung helfen musste. Idee nach Idee und einige Basteleien später stand der erste Prototyp. Im Vergleich zu heute zum Totlachen. So, nun war das Messer mit zwei Griffen da – nur lange noch keine Hochzeit in Aussicht.
Also was nun?
Geht es anderen Brautpaaren vielleicht genauso wie mir?
Würde jemand so etwas kaufen?
Also musste eine Homepage zum Anbieten her. Keiner glaubte daran, auch nur 10 Messer zu verkaufen. Außerdem gab es ja zu diesem Zeitpunkt auch nur ein einziges Messer. Noch bevor die Homepage überhaupt fertig und online war, war das erste Messer verkauft. Keiner konnte es glauben.
Die ganze Familie hat sich noch darüber lustig gemacht: „Wenn wir mal 100 Messer verkaufen …“ Gemessen an den jährlichen Eheschließungen in Deutschland ein minimaler Anteil, aber für uns absolut unvorstellbar.
Aber es zeigt mir: Nichts ist unmöglich. Alles ist machbar, wenn man nur daran glaubt.
In den letzten Jahren durfte ich so viele tolle Menschen kennenlernen. Ich hatte unzählige schöne, nette und oft auch unglaublich witzige Telefonate und Gespräche. Ich habe mich über jede einzelne Nachricht, über die vielen wunderschönen Hochzeitsfotos und lieben Danksagungen gefreut, die mich erreicht haben. Es war jedes Mal etwas ganz Besonderes zu sehen, dass aus einer kleinen Idee aus dem Wohnzimmer ein Teil so vieler Hochzeiten geworden ist.
Doch irgendwann kommt die Zeit für neue Wege. Nach meinem Studium und mit einem neuen Job ist nun der Zeitpunkt gekommen, mein kleines Unternehmen an meinen Bruder weiterzugeben. Dieser Schritt fällt mir nicht leicht, denn dieses Herzensprojekt hat mich über viele Jahre begleitet und mir unglaublich viel Freude bereitet.
Umso schöner ist es für mich zu wissen, dass es in der Familie bleibt. Ich wünsche mir von Herzen, dass es für meinen Bruder und unsere Familie genauso erfolgreich, spannend und voller schöner Begegnungen weitergeht wie bisher.
Ein Riesendank gilt meiner Familie. Ohne euch wäre aus einer verrückten Wohnzimmerspinnerei niemals Wirklichkeit geworden.
EURE VANESSA
